Märkte Aktien Zertifikate
Zwischen Waffenstillstand und Wettlauf: Wer jetzt an den Märkten gewinnt
Benjamin Feingold, Feingold Research
Der seit sechs Wochen andauernde Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel hat die internationalen Finanzmärkte spürbar verändert – allerdings mit teils überraschenden Ergebnissen.
Die jüngst verkündete Waffenruhe bietet Anlass für eine Zwischenbilanz: Während einige Anlageklassen deutlich reagierten, zeigen sich andere erstaunlich widerstandsfähig. Am stärksten betroffen bleibt der Energiesektor. Die Ölpreise schossen unmittelbar nach Beginn der Angriffe am 28. Februar in die Höhe. Zwar ist der Preis für Brent-Rohöl zuletzt deutlich gefallen, liegt damit aber immer noch etwa 35 % über dem Vorkriegsniveau. Beim US-Öl WTI beträgt der Anstieg sogar knapp 50 %. Auch Benzin-Futures notieren weiterhin etwa 30 % höher als vor Beginn der Eskalation. Die Märkte preisen damit nach wie vor Risiken für die globale Energieversorgung ein.
Erstaunlich stabil zeigen sich dagegen die Aktienmärkte. Der marktbreite S&P 500 ist mit rund 6.830 Punkten nur etwa 0,7 % unter dem Niveau vor Kriegsausbruch. Noch robuster präsentiert sich der Technologiesektor: Der Nasdaq notiert bei etwa 25.180 Punkten sogar rund 0,6 % über dem Vorkriegsstand. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Investoren geopolitische Risiken bislang nicht als nachhaltige Belastung für Unternehmensgewinne einschätzen.
Europäische Rüstungsaktien profitieren nur kurz
Nur kurzfristig profitiert hat auch der Rüstungssektor. Steigende Verteidigungsausgaben und geopolitische Unsicherheiten haben die Kurse vieler Branchenunternehmen in den vergangenen Monaten nach oben getrieben. Doch einen nachhaltigen Aufschwung gab es nicht. Besonders in Europa rücken Anbieter verstärkt in den Fokus. Zwar wird der Titel durch durch volle Auftragsbücher und langfristige Aufträge gestützt, doch vom Iran-Krieg konnte man nur bedingt profitieren.
Die Renk-Aktie gab im Vergleich zum Vorkriegsniveau leicht nach. Rheinmetall ist zwar ebenfalls Nutznießer von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Munition und militärischer Ausrüstung, doch die Aktie konsolidierte nach einem ersten Aufwärtsimpuls in den vergangenen Wochen. Mutige Anleger können diesen Rücksetzer mit einem Turbo ausnutzen. Die Papiere auf Renk (ISIN: DE000GV9X647) und Rheinmetall (ISIN: DE000PJ0C231) sind mit einem Hebel von 5 moderat ausgestattet.
Anleihen, Dollar, Gold und Silber im Fokus
Am Devisenmarkt zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Dollar-Index ist zuletzt um knapp 1 % auf 98,70 Punkte gefallen, liegt damit aber weiterhin etwa 1 % über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Der US-Dollar bleibt damit trotz kurzfristiger Schwäche ein gefragter sicherer Hafen.
Auch die Anleihemärkte haben reagiert. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist von etwa 4,01 % vor dem Konflikt auf rund 4,30 % gestiegen. Höhere Renditen spiegeln sinkende Kurse wider und deuten auf gestiegene Unsicherheit sowie anhaltende Zinserhöhungserwartungen hin.
Bei den Edelmetallen zeigt sich kein einheitlicher Trend. Gold kann sich aktuell zwar deutlich um rund 3 % von einem Mehrwochentief erholen, liegt aber weiterhin rund 10 % unter dem Niveau vor Kriegsbeginn. Silber notiert mit etwa 75 US-Dollar sogar rund 20 % unter seinem damaligen Stand. Dies deutet darauf hin, dass Anleger zuletzt vermehrt Gewinne realisiert oder ihre Absicherungspositionen reduziert haben. Auf Silber und Gold haben Anleger ein breites Produktangebot. Bei den Hebelpapieren ist ein moderat gehebelter Knock-out auf Gold mit der ISIN DE000HM3WZK0 attraktiv bewertet. Auf Silber ist der Knock-out mit der ISIN DE000UN6F7X1 ansprechen. Beide Papiere haben einen moderaten Hebel von 8.
Insgesamt zeigt sich ein ungewöhnliches Bild: Während vor allem die Energiepreise immer noch Nutznießer der geopolitischen Lage sind, konnten Rüstungsaktien nur kurzfristig profitieren. Die Aktienmärkte bleiben insgesamt überraschend stabil. Ob diese Gelassenheit anhält, hängt maßgeblich davon ab, ob die Waffenruhe Bestand hat – oder ob neue Spannungen die Märkte erneut in Bewegung versetzen.
Benjamin Feingold
Benjamin Feingold ist Mit-Gründer von Feingold Research. Feingold bringt als langjähriger Redakteur beim Börsenmagazin “Börse Online” und der Wirtschaftszeitung “Financial Times” mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung mit. Er ist in zahlreichen Medien als Experte gefragt. Er ist außerdem mit Robert Lang Autor von “Handeln mit Futures und Optionen”.