Märkte Aktien Zertifikate
Welche Softwareunternehmen werden von KI profitieren?
Goldman Sachs Research
Im Technologiesektor stellt sich zunehmend die Frage, in welchem Ausmaß KI-Agenten durch die Koordination von Unternehmensabläufen und die Automatisierung komplexer Aufgaben den Softwaresektor beeinträchtigen könnten. Goldman Sachs Research merkt dazu an, dass der Markt zwar die richtigen Fragen stellt, es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die Bedenken von Technologieinvestoren zu weit gefasst sind.
„Der jüngste Ausverkauf von Softwareaktien spiegelt eher eine rasche Veränderung der Anlegerstimmung wider als eine plötzliche Verschlechterung der Fundamentaldaten“, schreibt Matthew Martino, Analyst bei Goldman Sachs Research, im Bericht seines Teams. Es gibt „gangbare Wege, wie KI das langfristige Wachstum stärken statt untergraben kann“.
Investoren haben sich in letzter Zeit auf KI-Plattformen konzentriert, die multiple Agenten verwalten und koordinieren können. Ankündigungen im Zusammenhang mit diesen neuen Plattformen zur Koordinierung von Agenten trugen dazu bei, dass es zu Jahresbeginn 2026 zu einer starken Korrektur und Neubewertung bei Softwareaktien kam.
Werden Softwareaktien verdrängt?
„Die Sorge ist, dass traditionelle Plattformen zu passiven Datenspeichern degradiert werden könnten, wenn KI-Agenten zur primären Schnittstelle für die Ausführung von Arbeiten werden“, schreibt Martino. Das könnte die Preisgestaltungsmacht und strategische Relevanz von Softwareherstellern untergraben, weshalb deren Aktienkurse gefallen sind.
Martino zitiert eine Analyse der Portfoliostrategen von Goldman Sachs Research, die darauf hindeutet, dass Investoren nun ein langsameres Wachstum von Softwareunternehmen erwarten. Auf ihrem jüngsten Höchststand deuteten die Bewertungen von Softwareaktien auf eine mittelfristige (2028) Umsatzwachstumsrate von 15 bis 20 Prozent hin. Die nun deutlich niedrigeren Bewertungsmultiplikatoren entsprechen einer erwarteten Wachstumsrate von nur 5 bis 10 Prozent.
„Wir sind uns bewusst, dass die rasante Innovation im Bereich der künstlichen Intelligenz gerechtfertigte Unsicherheit schafft und eine höhere Risikoprämie rechtfertigt“, schreibt Martino. „Dennoch glauben wir, dass die Neubewertung eher pauschal als selektiv vorgenommen wurde.“ Dies schafft potenzielle Chancen für Softwareunternehmen, deren Fundamentaldaten trotz erhöhter Volatilität intakt bleiben, so Martino.
Um die Auswirkungen von KI auf Softwareunternehmen zu verstehen, sollten Anleger laut Goldman Sachs Research die Unterschiede in den Geschäftsmodellen, Endmärkten und der tatsächlichen KI-Fähigkeit eines Produkts oder einer Plattform genauer betrachten.
Wie lässt sich der potenzielle Einfluss von KI auf Softwareunternehmen einschätzen?
Das Research-Team hat ein „KI-Auswirkungs-Framework“ entwickelt, um zu bewerten, wie und wo KI Risiken – und Chancen – für Softwarehersteller schaffen kann. Es empfiehlt Anlegern, sechs verschiedene Aspekte zur Einschätzung eines Unternehmens zu berücksichtigen:
• Orchestrierungsrisiko: Besteht die Möglichkeit, dass horizontale Schichten von KI-Agenten die Plattform umgehen können und zum primären Wertgenerator werden können?
• Monetarisierungsmodell: Ist das Geschäftsmodell eines Unternehmens an Nutzer gebunden oder basiert es auf Vermögenswerten und Daten? Eine Abhängigkeit von Nutzern würde ein Unternehmen anfälliger machen, während eine Basis von Vermögenwerten und/oder Daten ein Geschäft beständiger macht.
• Registrierte Eigentumsrechte: Besitzt eine Plattform Eigentumsrechte, regelt sie Lizenzen, Compliance und Ausführung? Wenn das der Fall ist, ist es schwieriger, sie zu ersetzen.
• Daten- und Integrationsvorteil: Hängen die Arbeitsabläufe von proprietären Signalen, strukturierten Daten und Betriebsaufzeichnungen ab, die sich innerhalb der Plattform befinden und über diese abgerufen werden müssen?
• KI-Ausführung: Liefert das Unternehmen eher echte, integrierte Funktionen und nicht nur konzeptionelle Roadmaps?
• Budgetausrichtung: Von den Budgetausrichtungen hängt ab, ob die Einführung von KI die strategische Priorität der angebotenen Produkte oder Plattformen erhöht oder verringert.
Bei einigen Arten von Anwendungssoftware könnte die Orchestrierung durch Agenten im Laufe der Zeit zu einer Verlagerung des Engagements und der Wertschöpfung führen, insbesondere bei Produkten, die als leichtgewichtige Benutzeroberflächen fungieren und deren Geschäftsmodell überwiegend über lokal gebundene Lizenzen oder Benutzerlizenzen monetarisiert wird.
Auf der Plattform- und Infrastrukturebene hingegen kann die Dynamik grundlegend anders sein. Agenten können die Art und Weise verändern, wie Arbeit initiiert wird, erhöhen jedoch in der Regel den Bedarf an Datenmanagement, Workload-Orchestrierung, Sicherheit und Wiederherstellung. Dies sind Funktionen, die unterhalb der Benutzeroberfläche angesiedelt sind und nicht einfach umgangen werden können.
„Die zentrale Frage für Investoren ist nicht, ob Agenten die Software ändern werden (das werden sie)“, schreibt Matthew Martino. Er sagt, es sei wichtiger, sich den Software-Stack – also die Gesamtheit der von einem Unternehmen verwendeten Systeme und Tools – genau anzusehen, um zu erkennen, wo KI-Agenten bestehenden Produkten oder Plattformen den Boden entziehen und wo sie umgekehrt diese stärken werden.
Disclaimer
Dieser Artikel wird ausschließlich zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen stellen keine Empfehlung einer Goldman Sachs-Einheit für den Empfänger dar, und Goldman Sachs erteilt weder durch diesen Artikel noch für den Empfänger eine Finanz-, Wirtschafts-, Rechts-, Anlage-, Buchhaltungs- oder Steuerberatung. Weder Goldman Sachs noch eines seiner verbundenen Unternehmen gibt eine ausdrückliche oder stillschweigende Zusicherung oder Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der in diesem Artikel enthaltenen Aussagen oder Informationen, und jegliche Haftung (einschließlich in Bezug auf direkte, indirekte oder Folgeschäden) wird ausdrücklich abgelehnt.
Bitte beachten Sie die Hinweise zu Risiko, Haftungsausschluss und Impressum, die Sie hier finden.