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Microsoft, Meta und Amazon setzen auf Kernenergie

Benjamin Feingold, Feingold Research

Wie Anleger mit Discount-Zertifikaten und Hebelprodukten auf die Tech-Werte setzen können.

Während die Kernenergie in Deutschland nicht mehr angeboten wird, findet in anderen Orten auf der Welt eine Renaissance dieser Energieform statt. In den USA zeichnet sich sogar eine bemerkenswerte parteiübergreifende Offenheit gegenüber der Kernenergie ab. Sie sehen darin eine unverzichtbare Grundlage für den wachsenden Energiebedarf digitaler Schlüsseltechnologien – insbesondere im Bereich künstlicher Intelligenz. 

Nicht nur in den USA gibt es eine große politische Unterstützung für eine schnelle Expansion dieser Energieform, doch es gibt entscheidenden Faktoren, die dem Vorhaben im Weg stehen. Dazu zählen vor allem die Wirtschaftlichkeit, die Verfügbarkeit von Brennstoff, qualifiziertes Personal sowie ein verlässlicher regulatorischer Rahmen. Ohne diese Grundlagen bleibt das Potenzial begrenzt.

Das Institute for Energy Research prognostiziert bis zum Ende des Jahrzehnts einen zusätzlichen Spitzenbedarf von 166 Gigawatt – das entspricht dem 15-fachen Stromverbrauch von New York City. Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem Rechenzentren: Ihr Anteil am US-Stromverbrauch könnte bis 2030 auf 9 bis 17 Prozent steigen, verglichen mit aktuell 4,5 Prozent. Anwendungen im Bereich KI laufen kontinuierlich und sind nicht flexibel an Tageszeiten oder schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien angepasst.

Als mögliche Lösung gelten kleine modulare Reaktoren (SMR). Diese sollen industriell vorgefertigt, vor Ort montiert und vorzugsweise an ehemaligen Standorten von Kohlekraftwerken installiert werden. Einsatzgebiete reichen von Rechenzentren über Stahlproduktion bis hin zu militärischen Einrichtungen.

Auch bei der Brennstoffversorgung zeigen sich strukturelle Schwächen. Moderne Reaktortypen benötigen HALEU-Uran. Die USA haben bislang lediglich 920 Kilogramm produziert – zu wenig, um auch nur einen einzelnen Reaktor ein Jahr lang zu betreiben. Gleichzeitig kontrolliert Russland etwa 40 bis 45 Prozent der globalen Urananreicherung. Trotz politischer Spannungen und Sanktionen in anderen Bereichen beziehen die USA weiterhin russisches Uran. Zwar wurden 2,7 Milliarden Dollar in den Aufbau eigener Kapazitäten investiert, doch erste Produktionsmengen werden frühestens ab 2031 erwartet – also zeitlich hinter den geplanten Inbetriebnahmen neuer Anlagen. Die USA versuchen gegenzusteuern und haben 30 Milliarden Dollar für Energieprojekte im Indo-Pazifik bereitgestellt und zudem eine Finanzierung in Höhe von 17,8 Milliarden Dollar für Westinghouse-Reaktoren in Polen zugesagt. 

Eine zentrale Rolle spielen inzwischen private Akteure, insbesondere aus dem Technologiesektor. Meta hat sich für ein einzelnes KI-Cluster eine Stromkapazität von sechs Gigawatt gesichert – mehr als die gesamte Kernkraftleistung Schwedens. Amazon und Microsoft benötigen ebenfalls zuverlässige Kernkraftenergie für ihre Rechenzentren. 

Meta und Amazon: Discountzertifikate

Anleger, die Facebook-Mutterkonzern Meta und Amazon Kurspotenzial zutrauen, aber zugleich moderate Kursverluste nicht ausschließen, können mit Discount-Zertifikaten auf die beiden US-Tech-Werte setzen. Die Teilschutz-Papiere ermöglichen den Einstieg in eine Aktie mit Rabatt. Das Zertifikat ist also günstiger als der Referenzwert. Anleger können im Gegenzug nur bis zum Cap an Gewinnen partizipieren. Sollte die unterlegte Aktie am Laufzeitende unter dem Cap notieren, orientiert sich die Rückzahlung am Aktienkurs. Liegt dieser dann unter dem Kaufpreis des Zertifikats, kommt es zu Verlusten.

Ein Beispiel ist ein Discount-Zertifikat der UniCredit auf Meta (WKN: UN1JYN). Das Papier läuft bis zum 28. 12.2026, der Cap liegt bei 560 Dollar. Aktuell kostet der Discounter rund 22 Prozent weniger als die unterlegte Aktie. Die maximal mögliche jährliche Rendite beträgt rund13,6 Prozent des Kapitaleinsatzes. Diese erzielen Anleger, wenn der unterlegte Index zum Laufzeitende auf oder über 560 Dollar notiert. Erst wenn die Meta-Aktie aus heutiger Sicht mehr als 22 Prozent verloren hat, geraten Anleger in die Verlustzone – dann nehmen sie 1:1 wie mit einem Indexzertifikat an der Kursentwicklung teil.

BNP Paribas bietet ein Discount-Zertifikat auf Amazon (WKN: PL3XVB), das bis zum 17.12.2027 läuft und einen Cap von 260 Dollar hat. Der Rabatt liegt bei rund 20 Prozent. Sollte Amazon zum Laufzeitende auf oder über dem Cap notieren, erzielen Anleger die maximal mögliche jährliche Rendite von rund 16 Prozent ihres Kapitaleinsatzes. Bricht die unterlegte Aktie aus heutiger Sicht bis Ende 2027 um mehr als 20 Prozent ein, kommt es zu Verlusten.

Constellation und Microsoft

Microsoft kooperiert mit Constellation Energy, um den stillgelegten Standort Three Mile Island wieder ans Netz zu bringen und für das Training von KI-Modellen zu nutzen. Constellation Energy ist einer der bedeutendsten Energieerzeuger in den USA und gilt als größter Produzent sauberer, verlässlicher Energie im Land. Das Unternehmen betreibt ein breites Portfolio an Kraftwerken, darunter Kernkraft- und Gaskraftwerke, aber auch Wind- und Solarparks. 

Diese Konzerne verfügen über erhebliche finanzielle Ressourcen und haben ein unmittelbares Interesse an stabiler Energieversorgung. Damit treiben sie Projekte voran, an denen staatliche Initiativen über Jahrzehnte hinweg gescheitert sind. Ihr Fokus liegt weniger auf politischer Symbolik als auf Versorgungssicherheit.

Die Renaissance der Kernenergie ist damit keine abstrakte Vision mehr, sondern ein realer Trend, der die Energieinfrastruktur der kommenden Jahre prägen dürfte. Allerdings wird sich der Effekt erst mittelfristig entfalten – in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren, vorausgesetzt, die notwendigen Investitionen erfolgen zeitnah. Für Investoren ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Chancen liegen vor allem im Umfeld von Zulieferern, Komponentenherstellern und Infrastruktur, während großskalige Einzelprojekte weiterhin mit erheblichen Risiken behaftet sind. Eine sorgfältige Auswahl bleibt daher entscheidend.

Turbo-Calls auf Constellation und Microsoft

Risikobereite Anleger, die den beiden Konzernen weiteres Potenzial zutrauen, können mit Hebelprodukten überproportional von Kursgewinnen profitieren. Mit Call- oder Long-Turbo-Scheinen setzen sie auf steigende Kurse. Angenommen, der Hebel eines Call-Scheins liegt bei 4: Steigt die unterlegte Aktie zum Beispiel um 1 Prozent, erhöht sich der Wert des Scheins um 4 Prozent. Der Hebel wirkt aber auch in die andere Richtung: Verliert die unterlegte Aktie an Wert, sinkt der Wert des Scheins entsprechend dem Hebel. Wichtig ist bei diesen Produkten zudem die Knock-out-Barriere. Berührt oder unterschreitet die unterlegte Aktie diese Marke, verfällt der Schein und es kommt zum Totalverlust des Einsatzkapitals.

Ein Beispiel ist der Open End-Turbo-Schein (Call) von HSBC auf die Aktie von Constellation Energy (WKN: HT4LNB), der einen Hebel von 4 hat. Die aktuelle Knock-out-Barriere von rund 224 Dollar. Aktuell notiert Constellation Energy bei rund 293 Dollar. Goldman Sachs bietet einen Open End Turbo-Call auf Microsoft (WKN: GW4B3J) an, das ebenfalls einen Hebel von 4 hat. Die aktuelle K.o.-Barriere liegt bei rund 312 Dollar. Microsoft notiert derzeit bei 416 Dollar.

Benjamin Feingold

Benjamin Feingold ist Mit-Gründer von Feingold Research. Feingold bringt als langjähriger Redakteur beim Börsenmagazin “Börse Online” und der Wirtschaftszeitung “Financial Times” mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung  mit. Er ist in zahlreichen Medien als Experte gefragt. Er ist außerdem mit Robert Lang Autor von “Handeln mit Futures und Optionen”.