Aktien Zertifikate

MANGOS – das nächste große KI-Kürzel

Benjamin Feingold, Feingold Research

Wie Anleger mit Derivaten auf bekannte Tech-Werte setzen können

MANGOS folgen auf FAANG und MAGNIFICENT SEVEN

An der Wall Street hat ein neues Schlagwort Einzug gehalten: MANGOS. Dahinter verbergen sich Meta Platforms, Anthropic, Nvidia, Alphabet (Mutterkonzern von Google), OpenAI und SpaceX — also eine Mischung aus börsennotierten Tech-Schwergewichten und privaten KI-Hoffnungsträgern. Aufmerksamkeit bekam das Kürzel vor allem nach dem spektakulären Börsendebüt von SpaceX. Damit konnten Anleger erstmals direkt in eines der meistbeobachteten Technologieunternehmen der Welt investieren.

Die Idee hinter dem neuen Label ist leicht zu verstehen: MANGOS soll jene Unternehmen bündeln, denen Investoren die nächste Phase des KI-Booms zutrauen. Denn während die „Magnificent Seven“ lange als Synonym für die Tech-Rally galten, mehren sich Zweifel, ob alle Mitglieder dieser Gruppe ihre frühere Strahlkraft behalten. Einige Marktteilnehmer fragen sich deshalb, ob die Führungsrolle im Technologiesektor erneut wechselt.

Solche Kürzel haben an den Märkten Tradition. In den 2010er-Jahren standen die FAANG-Aktien — Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google — für den großen Technologiehandel. Später dominierten die „Magnificent Seven“ (Nvidia, Microsoft, Apple, Alphabet, Amazon, Meta, Tesla) die KI-getriebene Hausse. Ende 2024 wiederum machten die sogenannten „BATMMAAN“-Titel (Broadcom, Apple, Tesla, Microsoft, Meta, Amazon, Alphabet, Nvidia) von sich reden.

Nun also MANGOS. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, denn der KI-Ausbau verändert sich. In der frühen Phase konnten große Tech-Konzerne ihre Rechenzentren und Infrastruktur weitgehend aus eigener Kraft finanzieren. Das verschaffte ihnen einen klaren Vorteil gegenüber kleineren Wettbewerbern. Doch mit den steigenden Investitionssummen dürfte der Kapitalmarkt für weitere Unternehmen wichtiger werden. Besonders OpenAI, der Entwickler von ChatGPT und einer der führenden Anbieter generativer KI, sowie Anthropic, ein auf sichere KI-Systeme spezialisiertes Unternehmen und Entwickler des Chatbots Claude, stehen dabei im Fokus, zumal beide Unternehmen Unterlagen für einen möglichen Börsengang im Laufe dieses Jahres eingereicht haben.

Von den „MANGOS“ sind Meta Platforms, Alphabet, Nvidia und SpaceX börsennotiert, während dies bei Anthropic und OpenAI (noch) nicht der Fall ist. Anleger, die in die börsennotierten Unternehmen mit einer bestimmten Strategie investieren wollen, können dies mit Derivaten umsetzen.

Call-Turbos auf Meta

Wer zum Beispiel davon ausgeht, dass Meta in den kommenden Tagen und Wochen deutliches Aufwärtspotenzial hat, kann mit mit Call- oder Long-Turbo-Scheinen auf steigende Kurse der Aktie setzen. Diese Papiere richten sich an risikobereite Anleger. Das Prinzip: Je größer der Hebel, desto größer ist die Renditemöglichkeit – zugleich steigt jedoch mit der Renditechance das Verlustrisiko.

Angenommen, der Hebel eines Call-Scheins liegt bei 4: Steigt die unterlegte Aktie zum Beispiel um 1 Prozent, erhöht sich der Wert des Scheins um 4 Prozent. Der Hebel wirkt aber auch in die andere Richtung: Verliert die unterlegte Aktie an Wert, sinkt der Wert des Scheins entsprechend dem Hebel. Wichtig ist bei diesen Produkten zudem die Knock-out-Barriere. Berührt oder unterschreitet die unterlegte Aktie diese Marke, verfällt der Schein und es kommt zum Totalverlust des Einsatzkapitals.

Ein Beispiel ist der Open End-Turbo-Schein (Long) von Goldman Sachs auf Meta Platforms (WKN: GV53M1), der einen Hebel von 4 hat. Die aktuelle Knock-out-Barriere liegt bei rund 448 Dollar. (Aktuell notiert die Meta-Aktie bei rund 597 Dollar.)

Discount-Zertifikate auf Alphabet und SpaceX

Anleger, die Aktien Kurspotenzial zutrauen, aber zugleich moderate Kursverluste nicht ausschließen, können mit Discount-Zertifikaten auf die entsprechenden Aktien setzen. Diese Teilschutz-Papiere ermöglichen den Einstieg in eine Aktie mit Rabatt. Das Zertifikat ist also günstiger als der Referenzwert. Anleger können im Gegenzug nur bis zu einer festgelegten Obergrenze (Cap) an Gewinnen partizipieren. Sollte die unterlegte Aktie am Laufzeitende unter dem Cap notieren, orientiert sich die Rückzahlung am Aktienkurs. Liegt dieser dann unter dem Kaufpreis des Zertifikats, kommt es zu Verlusten.

Ein Beispiel ist ein Discount-Zertifikat von HSBC auf Alphabet C (WKN: HM8000). Das Papier läuft bis zum 18. 6.2027, der Cap liegt bei 325 Dollar. Aktuell kostet der Discounter rund 22 Prozent weniger als die unterlegte Aktie. Die maximal mögliche jährliche Rendite beträgt rund 12,4 Prozent des Kapitaleinsatzes. Diese erzielen Anleger, wenn der unterlegte Index zum Laufzeitende auf oder über 325 Dollar notiert. (Derzeit notiert die Aktie bei 376 Dolar.)

Ein Discount von BNP Paribas auf SpaceX (WKN: PM605Q) läuft bis zum 18.12.2026, der Cap liegt bei 110 Dollar. Aktuell kostet der Discounter 20 Prozent weniger als die unterlegte Aktie. Die maximal mögliche jährliche Rendite beträgt rund 50 Prozent des Kapitaleinsatzes. Diese erzielen Anleger, wenn SpaceX zum Laufzeitende auf oder über 110 Dollar notiert. (Derzeit notiert die Aktie bei 115 Dollar.)

Bonus-Zertifikat auf Nvidia

Eine weitere Teilschutz-Zertifikate-Kategorie sind Bonus-Zertifikate. Mit ihnen sind ebenfalls Gewinne in seitwärts und leicht steigenden Märkten möglich. Das Prinzip: Berührt der Referenzwert während der Laufzeit zu keinem Zeitpunkt die Barriere, erhalten Anleger eine Bonuszahlung. Wird die Barriere hingegen gerissen, nehmen Anleger 1:1 an der Wertentwicklung des Basiswerts (Referenzwert) teil – bis maximal zum Cap. Dabei kann es je nach Entwicklung des Referenzwerts zu Gewinnen oder Verlusten kommen.

Als Beispiel dient hier ein Cap-Bonus-Zertifikat UniCredit auf Nvidia (WKN: UR0FBU). Das Papier läuft bis zum 17.12.2027, der Cap liegt bei 260 Dollar und die Barriere bei 150 Dollar. (Alphabet notiert derzeit bei 220 Dollar.) Hält die Barriere, erzielen Anleger am Ende eine jährliche Bonusrendite von rund 20 Prozent.

Benjamin Feingold

Benjamin Feingold ist Mit-Gründer von Feingold Research. Feingold bringt als langjähriger Redakteur beim Börsenmagazin “Börse Online” und der Wirtschaftszeitung “Financial Times” mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung  mit. Er ist in zahlreichen Medien als Experte gefragt. Er ist außerdem mit Robert Lang Autor von “Handeln mit Futures und Optionen”.