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Gold und Silber toppen Nvidia und Tesla
Benjamin Feingold, Feingold Research
Eigentlich war Künstliche Intelligenz als Top-Thema 2026 gesetzt. Doch der Hype um Edelmetalle hat im bisherigen Jahresverlauf die Technologiewerte verdrängt.
Goldschmelze / Bild: BarrickGold
Wenn Sie vor wenigen Jahren im Bekanntenkreis auch unter gut informierten Börsianern mit dem Thema Silber gekommen wären, hätte man Ihnen umgehend die Auszeichnung „Langweiler des Jahres“ verpasst. Denn an deutschen Börsen dominieren in der Regel der DAX als Basiswert und Aktien wie Rheinmetall, Nvidia oder Tesla. Nicht aber in diesem Jahr. Stattdessen sind Gold und Silber in den Fokus vieler Anleger gerückt.
Geopolitische Konflikte erhöhen die Volatilität
Die Edelmetallpreise hatten auf den Beginn des Iran-Kriegs mit deutlichen Kursaufschlägen reagiert. Schließlich gelten Gold, Silber & Co. als sicherer Hafen. Doch jüngst wurden die Gewinne wieder abgegeben. Gestiegene Inflationsgefahren im Zuge höherer Öl- und Gaspreise belasten zunehmend auch die Edelmetallpreise. Die Möglichkeit speziell der US-Notenbank die Geldpolitik zu lockern, könnte nun eingeschränkt werden. Höhere Zinsen belasten tendenziell Edelmetalle, da sie keine Zinsen abwerfen und sie im Vergleich zu Zinsinvestments unattraktiver werden.
Fundamentale Daten stützen Silber
Abseits der kurzfristigen geopolitischen Schwankungen stützen vor allem bei Silber fundamentale Daten den Preis. Der Silbermarkt steuert im laufenden Jahr auf das fünfte Defizitjahr in Folge zu. Ein wesentlicher Treiber ist die angespannte Versorgungslage in China, einem der weltgrößten Silbernachfragern. Trotz zwischenzeitlicher Beruhigung der internationalen Notierungen bleiben die physischen Bestände dort knapp. Hinter diesem Hype müssen sich Nvidia, Alphabet, Tesla oder auch der DAX hintenanstellen – alle notieren seit Jahresbeginn im Minus.
Edelmetalle über Derivate handeln
Bislang hat in diesem Jahr Gold um 16 Prozent und Silber um 12 Prozent zugelegt. Wer den beiden Edelmetallen weiteres Aufwärtspotenzial zutraut, kann mit Hebelpapieren überproportional an deren Preisentwicklung teilnehmen. Grundsätzlich gilt bei Long-Derivaten aber auch: Gehen die Kurse nach unten, nehmen Anleger überdurchschnittlich daran teil.
Turbo-Calls auf Silber
Risikobereite Anleger können mit Open End (keine Laufzeitbegrenzung) Turbo-Call-Scheinen auf steigende Preise setzen. Ein Beispiel ist das Long-Papier von HSBC auf Silber. Der Schein hat einen Hebel von 5. Das Prinzip: Steigt Silber um 1 Prozent, legt der Wert des Turbos um 5 Prozent zu. Der Hebel wirkt aber auch in die andere Richtung: Fällt der Referenzwert, verliert der Hebelschein entsprechend überproportional. Wichtig ist bei diesen Produkten die Knock-out-Schwelle, die hier aktuell bei 68,84 Dollar liegt: Berührt oder unterschreitet der Silberpreis diese Marke, verfällt der Schein und es kommt zum Totalverlust des Einsatzkapitals.
Anleger, die einen kleineren Hebel bevorzugen, können sich zum Beispiel den Long Turbo von BNP Paribas auf Silber ansehen. Der Hebel beträgt 2. Die K.o.-Schwelle liegt aktuell bei 42,45 Dollar.
Turbo-Calls auf Gold
Nach dem gleichen Prinzip können Anleger auch mit Hebelscheinen (Long) auf steigende Goldpreise setzen. Ein Beispiel ist der Gold Turbo Long von Goldman Sachs, der mit einem Hebel von 5 ausgestattet ist. Die aktuelle K.o.-Schwelle liegt bei rund 4.143 Dollar.
Mit einem deutlich kleineren Hebel von 1,8 können Anleger mit dem Turbo Bull von UniCredit auf Gold setzen. Hier liegt die K.o.-Schwelle aktuell bei rund 2.225 Dollar.
Benjamin Feingold
Benjamin Feingold ist Mit-Gründer von Feingold Research. Feingold bringt als langjähriger Redakteur beim Börsenmagazin “Börse Online” und der Wirtschaftszeitung “Financial Times” mehr als 20 Jahre Börsenerfahrung mit. Er ist in zahlreichen Medien als Experte gefragt. Er ist außerdem mit Robert Lang Autor von “Handeln mit Futures und Optionen”.