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Geopolitischer Investment-Ausblick 2026
Thomas Mucha, Wellington Management
Das Jahr 2026 wird alles andere als ein Goldlöckchen-Szenario sein. Umsichtige Anleger sollten entsprechend reagieren. Zu bestehenden Belastungen, wie dem Wettstreit der Großmächte USA und China, gesellen sich weitere schwerwiegende militärische Konflikte weltweit – zuletzt die Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.
Thomas Mucha, Wellington Management
Auch im Jahr 2026 werden geopolitische Risiken eine wichtige Variable in der globalen Investmentlandschaft sein, die es zu beobachten gilt. Gleichzeitig schaffen die historischen strukturellen Veränderungen, die derzeit die nationale Sicherheit und die politischen Rahmenbedingungen weltweit prägen, auch Anlagechancen – sofern man weiß, wo man suchen muss.
Spannungen treiben Trends voran
Die geopolitischen Spannungen dürften Trends vorantreiben: die Erhöhung der Verteidigungsausgaben weltweit, die zunehmende Fokussierung auf nationale Sicherheit – verbunden mit KI und anderen neuen Technologien – sowie Schutz und Förderung beispielsweise kritischer Mineralien, Halbleiter und Biotechnologien.
In der Praxis bedeutet dies, dass wir uns auf eine im Vergleich zur Blütezeit der Globalisierung strukturell höhere Inflation, ein geringeres Wachstum sowie differenziertere makroökonomische und marktbezogene Ergebnisse einstellen müssen. Es bedeutet auch, dass sich Anleger stärker auf die wichtigsten langfristigen Anlagethemen ausrichten sollten, die sich aus dieser beschleunigten politischen Neuausrichtung mit verstärkten nationalen Sicherheitsprioritäten ergeben.
Venezuela, USA, China & Co.: Umgang mit geopolitischen Spannungen
Da im Jahr 2026 zahlreiche geopolitische Risiken mit einer großen Bandbreite möglicher Folgen bestehen werden, könnten eine Szenarioplanung und ein flexibler Anlageansatz von Vorteil sein. Am 3. Januar 2026 leiteten die USA beispielsweise eine militärische Operation zur Absetzung des venezolanischen Präsidenten ein. Derzeit rechnen wir zwar nicht mit größeren Störungen der Risikomärkte oder der Ausbreitung regionaler Konflikte, doch bestärkt mich diese Maßnahme in der Überzeugung, dass sich die Trump-Regierung zunehmend auf den Wettstreit der Großmächte in der westlichen Hemisphäre konzentriert. Das Potenzial für breitere Störungen bleibt eine wichtige Variable, die beobachtet werden muss.
Unter dem Strich sollten auch die Entwicklungen hinsichtlich den USA/China, der Ukraine/Russland, Iran/Israel und der Innenpolitik weltweit nicht aus den Augen gelassen werden.
Anlagechancen in einem sich wandelnden geopolitischen Umfeld
Strukturelle Veränderungen, wie wir sie derzeit erleben, treten nur einmal pro Jahrhundert auf und sind in der Regel mit Umbrüchen verbunden. Auch wenn das Marktrisiko in diesem neuen Umfeld strukturell höher ist, wird das Jahr 2026 fortlaufend neue Möglichkeiten bieten, um potenzielle Gewinner und Verlierer in Portfolios zu identifizieren. Da diese Schwerpunktverlagerung auf die nationale Sicherheit wahrscheinlich mehrere Jahre, wenn nicht sogar länger, andauern wird, könnte das Jahr 2026 ein guter Zeitpunkt sein, um sich stärker in verschiedenen langfristigen Anlagethemen an den öffentlichen und privaten Märkten zu engagieren. Dazu zählen unter anderem die folgenden Themen:
- Verteidigung und innovative Verteidigungstechnologien (z. B. KI, Raumfahrt und Luftfahrt)
- Kritische Mineralien und Seltene Erden
- Biotechnologie
- Cyberabwehr
- Strategien für erneuerbare Energien und Klimaresilienz
Dies gilt auf Ebene der einzelnen Regionen, Länder, Branchen und Unternehmen sowie für alle Anlageklassen. Meiner Ansicht nach eignet sich dieses Umfeld von Natur aus gut für aktives Management, da sich so möglicherweise erhöhte Marktrisiken besser vermeiden lassen und Unterschiede flexibler ausgenutzt werden können als bei einem passiven Ansatz. Insbesondere könnten sich Alpha-Chancen für Long/Short-Strategien und andere alternative Strategien ergeben. In jedem Fall bin ich der Ansicht, dass umsichtige Anleger gut beraten sind, ab 2026 eine geopolitische Perspektive in ihre Portfoliostrategie einzubeziehen.
Thomas Mucha
Thomas Mucha ist Geopolitical Strategist bei Wellington Management. Wellington Management ist eine der weltweit größten unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaften, die über 2.500 Kunden in mehr als 60 Ländern als vertrauenswürdiger Berater dient. Das Unternehmen verwaltet mehr als 1,1 Billionen US-Dollar für Versorgungswerke, Unternehmen, Stiftungen, Versicherer, Family Offices, Fondssponsoren, globale Vermögensverwalter und andere Kunden.