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Nach dem Bitcoin-Ausbruch: Der Härtetest für Krypto kommt im Herbst

Jacob Lindberg, Valour

Bitcoin hat im August ein bemerkenswertes Comeback hingelegt. Wochenlang bewegte sich der Kurs zwischen rund 62.000 und 67.000 US-Dollar, bevor am 19. August innerhalb weniger Stunden der Ausbruch gelang. Der Bitcoin-Preis stieg von rund 64.100 auf knapp 69.750 US-Dollar. Der Anlass dafür lag allerdings nicht im Kryptomarkt selbst: Vielmehr lag es am US-Finanzministerium, das ankündigte, seine Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen zu verdoppeln.

Die Reaktion des Marktes war eindeutig: Die Renditen zehn- und dreißigjähriger US-Staatsanleihen gaben nach, während Bitcoin deutlich zulegte. Der Zusammenhang ist nicht neu, aber er wird immer sichtbarer, denn Bitcoin reagiert zunehmend wie ein Makro-Asset. Die Kryptowährung ist daher längst nicht mehr nur ein Spekulationsobjekt für eine Nischenbranche, sondern reagiert zuverlässig auf Zinsen, Liquidität und die Erwartungen an die Geld- und Schuldenpolitik der Vereinigten Staaten. Das erklärt auch, warum die Bewegung so schnell an Fahrt gewann.
Oberhalb der monatelangen Handelsspanne hatten sich zahlreiche gehebelte Wetten auf fallende Kurse angesammelt. Als Bitcoin die Marke von 67.000 US-Dollar überwand, mussten viele dieser Positionen geschlossen werden. Aus dem zunächst vorsichtigen Ausbruch wurde so ein Short Squeeze. Nach Angaben der Analyseplattform CoinGlass wurden bis Freitag bearische Positionen im Wert von mehr als vier Milliarden US-Dollar liquidiert.


ETF-Zuflüsse zeigen hohe Bitcoin-Nachfrage


Doch die Rally lässt sich nicht allein mit Marktmechanik erklären, auch das Kapital institutioneller Anleger floss in Krypto-Produkte. Die in den USA gehandelten Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten in der Woche bis zum 21. August Zuflüsse von fast zwei Milliarden US-Dollar – so viel wie in keiner anderen Woche dieses Jahres. Am 24. August setzte sich diese Serie bereits den siebten Handelstag in Folge fort. Auch an europäischen Börsen war die Belebung zu beobachten: Das Handelsvolumen des Valour Bitcoin Zero-ETP vervielfachte sich innerhalb weniger Tage.

Bitcoin erreichte am 25. August zeitweise mehr als 81.000 US-Dollar. Das ist eine kräftige Erholung, aber noch kein Beweis für einen neuen Bullenmarkt, dafür ist der Weg zum Rekordhoch von 128.198 US-Dollar aus dem vergangenen Oktober weiterhin zu weit entfernt. Außerdem erinnert die gegenwärtige Entwicklung daran, wie schnell sich die
Stimmung drehen kann: Auf Kurse von rund 95.000 US-Dollar im Januar folgte bis Juni ein Rückgang unter die Marke von 60.000 US-Dollar.


Der Herbst wird ein erster Test für die Erholung


Die entscheidende Frage für das vierte Quartal lautet derzeit nicht, ob Bitcoin kurzfristig weiter steigen kann. Das kann er durchaus. Entscheidend ist vielmehr, ob die jüngste Erholung von einer nachhaltigen Nachfrage getragen wird oder ob sie im Wesentlichen das Ergebnis eines Short Squeeze und einer vorübergehenden Entspannung an den Anleihemärkten war.
Der September liefert dafür mehrere wichtige Orientierungspunkte. Am 9. September beginnen die angekündigten Rückkäufe des US-Finanzministeriums und bereits am 4. November soll festgelegt werden, in welchem Umfang die nächste Runde erfolgt. Die Maßnahmen könnten den Märkten Liquidität zuführen und damit Risikoanlagen wie Bitcoin unterstützen. Für die Anleger ist aber vor allem das Signal dahinter wichtig: Die Vereinigten Staaten versuchen, die Finanzierung ihrer langfristigen Schulden aktiv zu steuern. Jede Veränderung dieser Erwartung kann sich unmittelbar auf die Kapitalmärkte auswirken.

Die größte Gefahr für Bitcoin liegt deshalb weiterhin bei den langfristigen US-Zinsen. Sollten die Renditen dreißigjähriger Staatsanleihen wieder deutlich steigen, würde das den jüngsten Rückenwind schnell abschwächen. Höhere Renditen machen sichere Anlagen attraktiver und setzen zugleich die Bewertungen riskanterer Investments unter Druck. Bitcoin könnte dann erneut zeigen, dass seine enge Verbindung zu den globalen Liquiditätsbedingungen in beide Richtungen wirkt.

Auch die Senatsabstimmung über den Clarity Act am 15. September wird die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine Zustimmung könnte der Branche mehr rechtliche Klarheit geben und institutionellen Anlegern den Markteintritt erleichtern, der direkte Einfluss auf den Bitcoin-Preis dürfte jedoch begrenzt sein. Regulierung schafft zunächst einen Rahmen, sie erzeugt noch keine Nachfrage. Zudem sollten Anleger beachten, dass eine Zustimmung nicht sicher ist, Prognosemärkte schätzen die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung derzeit auf nur 22%.


Zcash und die Rückkehr der Privatsphäre


Noch dynamischer als Bitcoin entwickelte sich im August Zcash (ZEC). Der Kurs der datenschutzorientierten Kryptowährung stieg innerhalb des Monats deutlich an, von 470 US-Dollar auf knapp 820 Dollar. Grund für den Kursprung von rund 77 Prozent sind unter anderem Sicherheits-Updates, die die Grundlage des Projekts stärken. Zum anderen hat der Finanz-Anbieter Grayscale den Weg für einen Zcash-ETF an der NYSE Arca freigemacht. 

Das geplante Produkt soll unter dem Kürzel ZCSH gehandelt werden. Für Zcash ist das ein möglicher Wendepunkt: Ein ETF würde den Zugang vereinfachen und die Kryptowährung in eine Anlageinfrastruktur bringen, die institutionellen Investoren vertrauter ist als der direkte Kauf an einer Kryptobörse.

Im vierten Quartal könnte genau daraus der wichtigste Katalysator entstehen. Bislang war Zcash vor allem für Anleger interessant, die gezielt nach einem digitalen Vermögenswert mit starken Privatsphäre-Funktionen suchten. Ein reguliertes Börsenprodukt würde diese Zielgruppe erweitern. Es könnte Zcash für Anleger zugänglich machen, die an der These digitaler Privatsphäre interessiert sind, aber keine Wallets verwalten oder direkt mit Kryptobörsen handeln wollen.

Für Zcash kommen deshalb mehrere Entwicklungen zusammen: das wachsende Vertrauen in die technische Grundlage, der mögliche Start eines regulierten ETF und die grundsätzliche Neubewertung digitaler Privatsphäre. Ob daraus eine nachhaltige Aufwärtsbewegung entsteht, hängt letztlich davon ab, ob neue Nachfrage entsteht und nicht nur bestehende Anleger auf ein Narrativ reagieren. Die Voraussetzungen für eine Neubewertung sind jedoch gegeben.

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