Märkte Aktien Anleihen

Feingold Research Marktüberblick September

Nicolas Saurenz, Feingold Research

Die KI-Zuversicht ist zurück

Die Aktienmärkte haben ihre KI- und Chip-Euphorie wiederentdeckt. Wie schon am Freitag skizziert, legt OpenAI mit dem neuen Modell „Astra“ wieder vor. Wie stark der Vorsprung zu Anthropics Top-Modell ist, bleibt umstritten, aber OpenAI hat wieder ein konkurrenzfähiges Modell. Nutzer berichten allerdings über einen hohen Token-Verbrauch. Insgesamt spielt der Markt den hohen Chip- und Energiebedarf. Dazu kommen Zahlen des asiatischen Zulieferers Foxconn.

Der Auftragsfertiger steigerte seine Augusterlöse um knapp 52 Prozent auf umgerechnet 29,2 Milliarden Dollar – einen Rekord für diesen Monat. Nach acht Monaten liegt der Umsatz damit fast 40 Prozent über dem Vorjahr. Getrieben von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur erwartet Foxconn  für das dritte Quartal ein Ergebnis über den Markterwartungen. Die Zahlen stützen damit auch die Nachfrageperspektiven für Beschleuniger, Speicher und Netzwerktechnik. In Südkorea legten Samsung rund fünf Prozent und SK Hynix etwa acht Prozent zu. An der DAX-Spitze liegt Infineon

Die KI-Zuversicht trifft allerdings auf zunehmenden Gegenwind durch Öl und Zinsen. Nach neuen Angriffen auf Schiffe im Konflikt zwischen den USA und Iran handelt Brent um 97 Dollar. Zugleich hat der kräftige US-Stellenaufbau die Argumente für eine Fed-Anhebung am 16. September gefestigt. Der Markt liegt mit 58 Prozent „pro Anhebung“ weitestgehend bei einem Patt. Die Erzeugerpreise am Donnerstag und die Verbraucherpreise am Freitag werden nun entscheidend. Bei der EZB richtet sich der Blick am Donnerstag neben dem erwarteten Zinsschritt auf den Inflationspfad für 2027. 

PIMCO EZB-Vorschau
Statements von Konstantin Veit, Portfoliomanager, PIMCO

"Wir gehen davon aus, dass die EZB auf ihrer Septembersitzung den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent anhebt."

"Über den September hinaus rechnen wir mit einer längeren Zinspause. Allerdings nur, solange sich keinerlei neue Risiken für die Inflationserwartungen abzeichnen. Sonst könnte die EZB ihren Zinserhöhungskurs auch fortsetzen."

"Sollte die EZB ihren Zinserhöhungszyklus tatsächlich bei 2,5 Prozent beenden können, dürfte sie sich wertvollen Spielraum für konventionelle geldpolitische Maßnahmen erhalten wollen. Eine Rücknahme der Zinserhöhungen im kommenden Jahr halten wir daher für unwahrscheinlich."

"Weitere Zinserhöhungen würden den Einlagensatz über das obere Ende der von der EZB bezifferten neutralen Zinsspanne hinausführen. Dafür bräuchte es aber schon einen erneuten Energieschock, Anzeichen für Zweitrundeneffekte bei den Löhnen oder einen deutlichen Anstieg der Inflationserwartungen. Für keines dieser Szenarien finden wir derzeit Hinweise in den Daten."

"Die Inflation dürfte im zweiten Halbjahr dieses Jahres bei etwa 3,5 Prozent ihren Höchststand erreichen. Die Kerninflation ist auf rund 2,5 Prozent gestiegen und dürfte ebenfalls nahe an ihrem Höhepunkt liegen. Von den neuen EZB-Projektionen für 2027 erwarten wir, dass sie eine etwas höhere Gesamtinflation bei eher unverändertem Verlauf der Kerninflation ausweisen werden."

„Insgesamt hat sich die Wirtschaft des Euroraums widerstandsfähiger entwickelt als erwartet. Insbesondere der private Sektor erweist sich angesichts des Energieschocks weiterhin als robust.“

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